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Systemische Aneignung

  • vor 12 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Machtstrukturen und der Raub geistigen Eigentums von Komponistinnen


In der historischen Musikwissenschaft wird zunehmend die Rolle von Mentoren, Lehrkräften oder männlichen Verwandten bei der systematischen Aneignung weiblicher Kompositionen kritisch hinterfragt.

Diese Form des geistigen Diebstahls vollzog sich oft innerhalb asymmetrischer Machtverhältnisse bei denen junge Komponistinnen ihre Manuskripte zur Begutachtung oder Korrektur einreichten nur um später feststellen zu müssen dass zentrale Themen, Motive oder vollständige Sätze unter dem Namen ihrer Mentoren veröffentlicht wurden.


Dieser Prozess der Aneignung war eine bewusste Nutzung der institutionellen Überlegenheit männlicher Akteure die sich der schutzlosen Lage ihrer Schülerinnen bedienten. Da Frauen kaum Zugang zu eigenen Publikationswegen hatten und ihre Stimme im öffentlichen Diskurs kein Gewicht besaß blieb dieser Raubbau an ihrer Kreativität über Generationen hinweg ungesühnt und trug maßgeblich zur künstlichen Überhöhung männlicher Meistererzählungen bei.



Die Schutzlosigkeit des musikalischen Materials



Das musikalische Material von Frauen war auf dem Markt niemals sicher da die rechtliche Absicherung von Urheberschaft eng an die gesellschaftliche Position des Schöpfers gekoppelt war.


Sobald eine Komponistin ihre Entwürfe aus der Hand gab trat sie in ein Feld der existenziellen Unsicherheit ein in dem das geistige Eigentum jederzeit durch männliche Vorgesetzte oder Lehrer beansprucht werden konnte.


Diese Praxis der Aneignung wurde durch ein System legitimiert das die schöpferische Autonomie der Frau grundsätzlich negierte und ihre Ideen als bloße Rohmasse für die männliche Weiterverarbeitung betrachtete. Die historische Forschung zeigt dass die vermeintliche Inspiration großer Meister oft auf dem verschwiegenen Diebstahl weiblicher Innovationen beruhte wobei die Namen der tatsächlichen Urheberinnen gezielt aus den Akten und Gedächtnissen getilgt wurden.


Damit wird deutlich dass der musikalische Kanon nicht allein auf Talent basiert sondern auch das Resultat einer rücksichtslosen Enteignung von weiblichen Talent und weiblicher Intelligenz ist welche die Geschichte der Musik bis heute beeinflusst und verzerrt.

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